Die Fianna

Ein Auszug aus der historischen Überlieferung

Die Fianna war ursprünglich ein Trupp von jagenden Kriegern, die, unabhängig vom König, raubend durch das Land zogen und sich stets auf des Messers Schneide zwischen kriegerischem Ethos und dem Status gesetzloser Räuber bewegten. Später war die Fianna eine Auslese freiwilliger Krieger, die meistens dem Adelsstand angehörten. Sie unterstanden drei oder vier Befehlszentralen. Eines dieser Zentren war Tara (co. Meath), ein zweites Almhu (Co. Kildare), Finns Stammsitz. Temhair Luchra in Kerry und Culleun (Co. Tipperary) kamen hinzu. Zu jedem dieser Bezirke gehörten tausend Mann.

Finn, ursprünglich als Einzelgänger in einer kleinen Gruppe beschrieben, wird später der oberste Anführer der gesamten Fianna und überwacht mehr oder weniger militärisch organisierte Großunternehmungen.

 Die Fianna diente der Landesverteidigung, vor allem gegen die einfallenden Nordmänner, unterstanden aber nie direkt dem Hochkönig, sondern ihrem zeitlosen Kriegerkönig, der mit dem regierenden König meist in gespannter Beziehung lebte. Im Winter, von November bis zum 1. Mai, war die Fianna gegen Sold verpflichtet, dass Recht zu schützen und Räuber und fremde Eindringlinge abzuwehren. In der übrigen Zeit bejagten sie das Land und ihr Lohn bestand in dem Fleisch und den Fellen der erbeuteten Tiere.

 Die Lebensweise im Sommer wird wie folgt beschrieben:

 Während die Gruppe jagend durch die Wälder zog, baute ein Gilla (Diener) Hüten aus Stangenholz und Zweigen, aus denen die Wände und ein Dach geflochten wurde. Die Betten wurden aus Moos, Heidekraut und einer Lage frischer Binse schichtweise errichtet. Stets teilten zwei Männer ein Bett, während die Hunde immer ihr eigenes Lager erhielten.

Neben einem Bach wurde eine Grube ausgehoben und Wasser hinein geleitet. Darin wurden im Feuer geglühte Steine geworfen und in diesem Naturofen das Essen gekocht. So benötigte man kein belastendes Kochgeschirr. Wenn die Jäger zurückkamen nahmen sie ein Bad und setzten sich zum Speisen nieder. Nach dem Mahl wurde oft musiziert. Sie pressten die Lippen aufeinander und gaben au diese Weise spezifische Brummlaute von sich, die sehr schlaffördernd gewesen sein sollen.

Daneben hatte dieser Brummton für die Angehörigen der Gruppe noch die spezielle Funktion eines Notsignals, an dem sie sich in kritischen Situationen erkannten. Durch rhythmisches Aneinanderschlagen wurde ihr Musizieren noch bereichert.

...

Die Aufnahme in die Fianna unterstand strengen Bedingungen. Der Bewerber hatte die „zwölf Bücher der Dichtung“ zu kennen, er musste also mindestens die Unterstufe der bardischen Ausbildung durchlaufen haben. Außerdem mussten Beweise athletischer Fähigkeiten und Geschicklichkeitsproben abgelegt werden. Bei einer Hetzjagd durch die ungebahnten Wälder durfte das kunstvoll geflochtene Haar des Bewerbers  nicht in Unordnung geraten. Wenn es einem seiner Verfolger gelang, ihn zu verletzen, so wurde er abgelehnt.

Kein Zweig durfte unter seinem Fuß knacken, so elastisch und weich hatte sein Tritt zu sein. Mühelos musste er über einen Ast in seiner Stirnhöhe springen und unter einem solchen in Kniehöhe im Lauf hin durchschlüpfen, ohne ihn zu berühren. Ebenso musste er, ohne seine Geschwindigkeit zu verringern, im Rennen einen Dorn aus seinem Fuß ziehen können.

 Ferner wurde die Tapferkeit geprüft, indem der Bewerber in ein Erdloch gestellt wurde, dessen Rand ihm bis zur Brust reichte. Mit seinem Schild und einem Haselstecken von der Länge seines Armes hatte er sich gegen neun voll bewaffnete Angreifer zu verteidigen, ohne selber verletzt zu werden.

Von einer Frau durfte kein Angehöriger der Fianna die üblich Mitgift annehmen. Die Frauen waren aber hoch geachtet, vor allem, wenn sie kleine Kinder hatten.

Später wurden für die Fianna Grundregeln der Noblesse aufgestellt, die schon in die Nähe der mittelalterlichen Ritterideale verweisen.

Diese Regeln lauteten etwa:

v     Beschuldige deine Frau niemals ohne Grund

v     Schlage niemals deinen Hund

v     Lass dich auf keine Schlägerei ein

v     Sei nie heftig gegen das gemeine Volk

v     Mach keine großen Worte, überlege, was du sagst

v     Verrate nie deinen Herren

v     Beschimpfe nicht die Leute eines mächtigen

v     Gib dich für keine Zwischenträgerei her

v     Sei großzügig mit deiner Familie

v     Gib lieber, als zu verweigern



 
(Quelle: Ingeborg Clarus, Die keltischen Mythen)

 

Wie alles begann

 

Man schrieb das Jahr 2007 als sich einige Leute, die sich von Besuchen auf diversen Mittelaltermärkten kannten dem Gedanken von Teutorix anschlossen eine eigene Gruppe zu gründen, welche epochenübergreifend die Geschichte lebendig darstellt. Schnell war ein gemeinsamer Kontext gefunden und man machte von nun an als gemeinsames Lager die Märkte unsicher.

 

Schwerpunkte unserer Darstellungen

 

Ganz zu beginn stellten für uns die historischen Kampfkünste einen hohen, wenn nicht sogar den höchsten, Stellenwert in unseren Darstellungen dar. Mit der Zeit aber wuchs man immer mehr in dieses Hobby hinein und fand immer mehr, was es einem persönlich zu bieten hat. Wir sind bestrebt, unser Lagerleben so offen wie möglich zu gestalten und unser Wissen, oder besser unsere Interpretation, den Besuchern und Gästen unseres Lagers nach bestem Wissen und Gewissen preiszugeben.

Obwohl wir auch ein recht geselliger Haufen sind und uns gerne mit „unsers Gleichen“ unterhalten und austauschen sucht man Absperrseile oder sonstige Begrenzungen vergebens. Wir laden den geneigten Besucher herzlichst in unsere Lagergemeinschaft ein und er wird immer ein offenes Ohr für seine Fragen finden.

 

Auf den Lagern nutzen wir die Zeit für:

 

-         Waffenpflege

-         Pfeilbau

-         Kochen nach überlieferten Rezepten

-         Gemeinsam zu speisen

-         Den Umgang mit den Waffen zu üben

-         Freie Kämpfe zu bestreiten

-         Brettchenweben

 

An all diesen Aktionen kann der Besucher aktiv teilhaben und sich selbst, mit Ausnahme der freien Kämpfe, selber versuchen.


Der freie Kampf

In den freien Kämpfen treten sich zwei oder mehrere Kontrahenten gegenüber und tragen ihren Kampf solange aus, bis nur noch einer steht. Der "Sieg" wird dadurch errungen, dass ein klarer Treffer in der zuvor festgelegten  Trefferzone erfolgte, oder der Gegner aufgibt. Das liest sich jetzt brachialer als es in Wirklichkeit ist. Eigentlich ist es nicht gefährlicher als ein Fussballspiel. Die Schläge und Paraden werden von jedem Einzelnen bis zum Exzess trainiert und entwickeln sich mit der Zeit zu reflexartigen Bewegungen. Durch das unablässige Üben und Trainieren wird auch der Charakter des Kriegers geschult und er lernt, die Sache verantwortungsbewusst anzugehen. Die Wirksamkeit der Techniken steht klar im Vordergrund und es sind und bleiben Waffen, mit denen wir kämpfen. In einem freien Kampf werden die Schläge zum "Gegner" ausgeführt und nicht zu seiner Waffe.

Deswegen findet man in unseren Reihen auch keine "Wochenend- und Lager-Rambos", die nur mal eben ein wenig Action geniessen wollen und gar nicht wirklich wissen, was sie da machen und/oder was sie da überhaupt in den Händen halten!

Ein guter Kämpfer muss in der Lage sein, einen Schlag rechtzeitig zu beenden oder den Schlag am „Gegner“ vorbeizuleiten. Bei uns findet man keinen Bierernst und wir verlieren auch schon mal „gerne“.

Wir möchten weder als gewaltverherrlichend gelten, noch erheben wir irgendeinen Anspruch darauf, dass die von uns gezeigten Techniken die einzigst wahren sind.

Das Einzige von dem wir behaupten es definitiv zu wissen ist, dass ein Krieger, der auf die Schönheit des Kampfes bedacht ist, nicht viele Schlachten kämpfen wird, um sich zu beweisen!

Alle Techniken, die wir mit den Waffen als auch im waffenlosen Kampf anwenden, haben ihre Wirksamkeit und Einfachheit im Training bewiesen. Einige Mitglieder können ein teils jahrelanges Studium verschiedenster Kampfkünste vorweisen. Diese fließen selbstredend mit in unsere Kämpfe und Trainingseinheiten ein, da es keine wirklich anschauliche Dokumentationen von Antiken Kampfkünsten gibt. Selbst die alten Fechtbücher, und da können wir ruhig auf das erste erhaltene Buch zurückgehen, dass MS I.33 aus dem 14. Jhdt. behandelt nicht das Thema Kampf mit Schwert und Schild. Zudem stammen diese Bücher aus dem Früh- und Hochmittelalter. Wir versuchen experimentell mit unseren Techniken zu arbeiten und natürliche Bewegungen zu ergründen, damit ein wirklicher, realistischer Kampf daraus entstehen kann.

Eine kleine Anmerkung sei mir zum Abschluss noch gewährt:

Es finden sich auf Märkten immer wieder vereinzelte "Schwertkämpfer", welche die Stichsicherheit ihrer Klingen betonend hervorheben. Meistens biegen sie ihre Schwerter zur Demonstration mit ihren Händen durch oder, noch absurder, sie nehmen einen Holzblock, Baum oder gar einen Stein und drücken an diesem ihre Klinge durch. Zur Veranschaulichung ein einfaches Beispiel: Etwas so hartes wie einen Stein hat der menschliche Körper nicht zu bieten. Mit einem Baum oder Holzblock kann unter umständen ein menschlicher Knochen mithalten. Aber...über diesen besagten Knochen liegen Haut, Muskeln, Sehnen, Arterien usw., eigentlich alles, was einem Stich nicht wirklich viel entgegen bringen kann. Aus diesem Grund halte ich diese "Demonstrationen der Stichsicherheit" schlicht und ergreifend für bestenfalls lächerlich! (Teutorix)